RedaktionstippIn ganz Europa gibt es zur Zeit etwa 20.000 Wölfe, davon die Hälfte in Russland, 3.000 in Rumänien, 2.000 in spanien, 600 in Polen und 400 in Italien. Nachdem seit 1998 in Polen keine Wölfe mehr gejagt werden dürfen, haben sich die Bestände dort deutlich erhöht. Aus diesen Beständen stammen die in Deutschland eingewanderten Tiere. Auch diese vermehren sich auf Grund der guten Lebensbedingungen, die vor Allem die Wölfe in der Oberlausitz vorgefunden haben - eine große Zahl an Beutetieren wie Rehe, Hirsche und Wildschweine sowie Rückzugsmöglichkeiten in form von Wäldern und Dickichten - kontinuierlich. Inzwischen leben in Sachsen zwei Wolfsrudel mit insgesamt 16 Tieren. In Brandenburg hat sich neueren Erkenntnissen zufolge auch ein Wolfsrudel angesiedelt. In Niedersachsen lebt bereits seit mehreren Monaten ein Wolf auf einem Testgelände für Wehrtechnik bei Unterlüß. Das Geschlecht dieses Wolfes sei noch nicht eindeutig festgestellt worden, wird bereichtet. Als Bewohner der Lüneburger Heide soll der Wolf den passenden Namen Erika oder Erik erhalten. Spuren deuten darauf hin, dass sich auch in Mecklenburg-Vorpommern ein Wolfsrudel angesiedelt hat, wofür jedoch noch kein endgültiger Beweis erbracht werden konnte. Sichtkontakt hat noch keiner stattgefunden. Nach Schleswig-Holstein, Kreis Ostholstein, hatte ein junger Wolf seinen Weg gefunden, wohl auf der Suche nach einem eigenen Revier, der aber leider überfahren wurde.
Auf ihren Jagdzügen legen Wölfe häufig große Distanzen zurück, nicht selten 20 Kilometer oder mehr in einer Nacht. Wölfe sind sehr scheu und vorsichtig und meiden Menschen gewöhnlich. Dennoch lauern Gefahren für freilebende Wölfe: Straßen, die den Lebensraum der Wölfe durchschneiden, illegale Abschüsse, eine feindselige Einstellung der Menschen durch Ammenmärchen. Daran ist Rotkäppchen schuld, ist die Meinung von Experten; der Mythos von menschenfressenden Raubtier sei frei erfunden. Doch an der tiefsitzenden Angst vor dem Wolf haben auch das "Dschungelbuch" und "Der mit dem Wolf tanzt" nicht viel geändert. Bisher sind es zum Beispiel in Sachsen nur einige wenige Einwohner, die die Wölfe als Attraktion ansehen. Ein Spirituosenhersteller hat allerdings schon das Geschäft gewittert und einen Likör namens "Wolfsheuler" herausgebracht.
Der NABU (Naturschutzbund) versucht mit einer breit angelegten Kampagne, aufzuklären über den Wolf und sein Wesen, um die Einstellung der Bevölkerung den Tieren gegenüber zu verändern und um Verständnis für den Wolf zu werben. "Willkommen Wolf" soll helfen, den Wölfen in Deutschland eine Überlebenschance zu geben. Ob das gelingen wird, entscheidet sich in unser aller Köpfen. Der Jäger wird sich damit abfinden müssen, dass die Anwesenheit von Wölfen das Verhalten des Wildes beeinflusst, das unsteter und für den Jäger schwerer kalkulierbar wird. Schafbesitzer sollten ihre Herden mit elektrozäunen oder Hütehunden schützen. Wir Menschen sollten das Vorurteil "Böser Wolf" ablegen und in ihm ein schützenswertes Tier sehen, und ein schönes außerdem.